Ein Reich für den Froschkönig

Ein Weiher ist nicht nur Schmuck eines jeden Gartens, er bietet auch vielen vom Aussterben bedrohten Tieren und Pflanzen Lebensraum – vorausgesetzt, er wird sachgerecht gepflegt..

So baut man sich einen Teich
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Sicherheitshinweis

Text und Fotos: Roland Beck

Das Biotop wurde in den vergangenen Jahren wiederentdeckt. Allerdings überlebten viele Teiche nicht, weil sie verlandeten oder sich in stinkende Kloaken verwandelten. Denn viele Teichbauer glaubten, die Natur regle alles von selbst. Doch ohne Pflege stellt sich das ökologische Gleichgewicht nicht ein.

Ob ein Weiher später «funktioniert», hängt nicht von der Grösse ab, sondern vom richtigen Bau. Und von seinem Standort. Zwar sollte ein Wassergarten vier bis fünf Stunden von der Sonne beschienen werden, aber nicht den ganzen Tag der prallen Sonne ausgesetzt sein.

Sehr wichtig ist, dass der Teichboden stufenförmig angelegt wird, denn Wasserpflanzen und Tiere bevorzugen verschiedene Tiefen. Die Teichränder dürfen nicht steil abfallen, sondern sollen möglichst flach verlaufen.

Bei der Verlegung der Folien ist darauf zu achten, dass diese ausreichend über den Teichrand hinausragen, damit kein Wasser aus dem Teich gesogen wird oder zu viele Nährstoffe aus der Umgebung in den Weiher gelangen. Am besten befestigt man die Folienränder mit Bollensteinen, weil man diese bequem aufheben und so die Folie darunter leicht kontrollieren kann. Sollten sich am Teichrand Ameisen eingenistet haben, müssen diese entfernt werden, weil durch sie extrem nährstoffreiches Material vom Nestbau bei jedem Regen in den Teich gelangt.

Nach Werner Hauenstein aus Spreitenbach AG, Leiter einer Beratungsstelle für Natur- und Umweltschutz, sind in erster Linie die hohen Nährstoffimmissionen schuld an einer schlechten Wasserqualität. Verantwortlich dafür ist nach seinen Erfahrungen oft ein nahtloser Übergang vom Teich zur gedüngten Umgebung. Ist die Rasensprenganlage längere Zeit in Betrieb, werden Rasendünger und Erde in den Teich geschwemmt, was zu einer starken Überdüngung beziehungsweise Algenbildung führt.

Ein Teufelskreis beginnt:
Der Gartenbesitzer greift zu einem «Algenkiller» und zerstört damit auch Unterwasserpflanzen. Die Selbstreinigung des Teiches bleibt aus, und die Wasserqualität verschlechtert sich weiter. Die Pflanzen beginnen abzusterben, verschiedene Tiere gehen ein. «Wehret den Anfängen», warnt deshalb Hauenstein. «Das A und O beim Teichbau: Es darf kein Nährstoff ins Wasser gelangen. Ebenso kein Leitungswasser, sondern nur Regenwasser.»

Aufschluss über die Wasserqualität gibt der pH-Wert. Ideale Werte für artenreiche Nassbiotope liegen zwischen 4,5 und 5. Hier entstehen keine Algen. Steigen sie über 7,5, wird das Wasser alkalisch und Algenentwicklung ist die Folge. Ab pH 9 und mehr  wird es für die Amphibien ungemütlich: Frösche und Gelbbauchunken sterben bei einem pH-Wert über 11. Den Wert kann man mit Lakmuspapier messen, welches in Drogerien erhältlich ist.

Bei der Wahl der Pflanzen dürfen neben den dekorativen Wasserpflanzen die ökologisch wertvollen Unterwasserpflanzen wie Hornblatt, Laichkraut, Wasserfedern oder die kanadische Wasserpest nicht fehlen. Sie bauen im Sommer  Nährstoffe ab und verhelfen dem Wasser zur Selbstreinigung. Zur täglichen Arbeit am Weiher gehört das Abfischen von Blättern, absterbenden Pflanzenteilen und anderen Grobstoffen. Trotzdem sinken viele dieser Stoffe auf den Teichboden, wo sie sich dann zersetzen und bei diesem Vorgang dem Wasser und den darin lebenden Organismen Sauerstoff entziehen.

Werner Hauenstein empfiehlt deshalb, den Weiher ab und zu gründlich zu reinigen, anstatt zu Pumpen und Filteranlagen zu greifen. Denn mit diesem Teichzubehör kann in den meisten Fällen das Kernproblem, die Überdüngung des Wassers, nicht behoben werden.

Daher sollte man den Gartenweiher alle fünf bis acht Jahre im Herbst oder Winter reinigen: Pumpen Sie das Weiherwasser in saubere Fässer oder einen Tankwagen, sammeln Sie während des Auspumpens laufend alle Lebewesen ein, und bewahren Sie diese bis zum Wiedereinsetzen in einem Trog mit Weiherwasser auf.

Dann spült man den Teich von oben nach unten mit dem Gartenschlauch ab und sammelt den Schlamm an der tiefsten Stelle ein.Bei dieser Gelegenheit müssen auch die Folien kontrolliert, wuchernde Pflanzen, etwa Seerosen, dezimiert und fehlende Unterwasserpflanzen ersetzt werden.

Wer sich neu einen Weiher zutun will, aber bloss einen kleinen Garten besitzt, kann eine kleine Badewanne, ein Fass oder eine Plastikschale in der Erde vergraben. Ebenso kann man eine kleine Grube mit Folie oder Dachpappe abdichten.

Selbst auf dem Balkon sind kleine Biotope machbar: Man behilft sich mit frostsicheren Gefässen: Wie bei einem grossen Weiher füllt man den Boden mit Sand, Kies und Steinen und bepflanzt den kleinen Wassergarten mit Wasserpflanzen. Verwenden Sie Regenwasser, oder schöpfen Sie Wasser aus einem Weiher. Für solche Mini-Biotope gibt es auch prächtige, kleine Seerosenarten.


Beim Bau des Teiches werden stufenförmige Terrassen angelegt, denn Wasserpflanzen und Tiere bevorzugen unterschiedliche Tiefen. Die Steine müssen vor dem Einsetzen mit Wasser gesäubert werden. Die Folienränder befestigt man mit Bollensteinen. Ein Gartenteich muss täglich von Blättern und abgestorbenen Pflanzenteilen gereinigt werden, damit keine Nährstoffe ins Wasser gelangen.

Weitere Infos rund um Teiche

Literatur: «Unser Teich – Naturnahe Feuchtbiotope»: Wissen, errichten, sich daran freuen. Verlag Fischer, Münsingen-Bern.

VHS-Video: «Bauanleitung für naturnahe Gartenweiher» (33 Minuten),
BfNU, Werner A. Hauenstein, Steinackerstrasse 5, 8957 Spreitenbach,
Fax (056) 401 19 79,
E-Mail: bfnu@bfnu.ch

Broschüre der Schweizerischen Beratungsstelle für Unfallverhütung Bfu (1993): «Feuchtbiotope – Gefahren und Sicherung von Gartenweihern».


Sicherheit für Kinder beachten!

Achtung: Jährlich ertrinken kleine Kinder in ungesicherten Teichen. Diese Unfälle hängen zum Teil auch mit dem Bau des Weihers zusammen: Bei einem steilen Ufer fällt ein Kind eher ins Wasser als bei einer flachen Randzone. Spielen Kleinkinder im Garten, gilt es sorgfältig zu prüfen, ob der Weiher eingezäunt werden muss. Die Schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung Bfu empfiehlt eine Einzäunung.