Eine private Beratungsstelle - was verbirgt sich dahinter ?

  Aus "Der Gartenbau 20/2003".
  Ein Porträt von Marcel Brändli, David Menth und Paul Nussbaumer, 3. Semester Hortikultur, Hochschule Wädenswil.

  Werner Hauensteins <<BfNU>> bietet Kompetenz im Naturgartenbau.


Das Credo von Werner Hauenstein lautet:
Im Naturgarten soll nur eingegriffen werden, wenn gewisse Arten Überhand nehmen, ansonsten ist die Natur ihr eigener Gestalter.

 

 

 

 


Für Naturgärtner Werner Hauenstein ist die Beratung der Kundschaft ein zentrales Anliegen.

 

 

 

 


Zur Beratungsstelle für Natur und Umwelt gelangen viele Leute mit dem Wunsch, Tierarten im eigenen Garten zu fördern. So nimmt die naturnahe Gartengestaltung oft ihren Anfang.

 

 

 

 


Blick in die Gärtnerei der BfNU: Anzucht der Wildstauden in Styroporkisten mit Regenwasser-Tröpfchenbewässerung. 
Fotos: BfNU 

Wer eine attraktive Gartengestaltung sucht und diese naturnah verwirklichen möchte, der ist bei der «Beratungsstelle für Natur und Umwelt» an der richtigen Adresse. Werner Hauenstein, der seine Gartenbaufirma BfNU nennt, hat sich in über dreissig Jahren das Know-how im Naturgartenbau angeeignet. Sein umfangreiches Wissen erlaubt ihm, auch in anderen Fragen bezüglich Natur Hilfestellung und Problemlösungen anzubieten.

Freundlich empfängt uns Werner Hauenstein in seiner Gärtnerei inmitten von Spreitenbach. Bereits bei einem kurzen Rundgang lassen sich einige aussergewöhnliche Entdeckungen machen: beispielsweise die Ameisenlöwen, die sich entlang der Hausmauer eingenistet haben. Zum Schutz vor Katzen wurden ihre feinen Gruben mit dornigen Ästen abgedeckt.
Im Staudenquartier lässt sich die Blütenpracht der noch in Winterruhe liegenden Stauden nur erahnen. Hauenstein kultiviert hier etwa 300 einheimische Arten, darunter auch viele verschiedene Wasserpflanzen. Er führt uns in sein Beratungszimmer. Im firmeneigenen Schulungsraum bietet die BfNU auf Anfrage Kurse an. Ein wichtiger Teil der Arbeit von Werner Hauenstein besteht in der Beratung von Kundinnen und Kunden zu Fragen aus den Bereichen Natur- und Umweltschutz. Auch wir sind beeindruckt vom grossen Fachwissen des Gärtners. Mit Freude und viel Engagement berichtet Hauenstein von seinen langjährigen Erfahrungen im Naturgartenbau. In Vitrinen findet sich viel Anschauungsmaterial wie Wespennester und verschiedene Tierpräparate. Tropische Schlangen und Echsen in Terrarien sowie Fische in Aquarien sollen ebenfalls das Interesse der Gäste für die Natur wecken.

Vom Elektromonteur zum Naturgärtner
Werner Hauenstein ist gelernter Elektromonteur. Schon mit 21 Jahren sattelte der Naturbegeisterte auf den Gartenbau um. Das vernetzte Denken, das als Naturgärtner unabdingbar ist, brachte er aus seinem früheren Beruf mit. Und immer wieder stellte er sich bei seiner gärtnerischen Tätigkeit die Frage: «Funktioniert es?» Gemeint ist ein Eingriff in die Natur.
Als Anfänger im Gartenbau wurde er von seinen Berufskollegen nicht ganz ernst genommen. Er entschied sich für die Ausrichtung auf den Naturgartenbau, weil dort alle Teile miteinander in Beziehung stehen und eine ganzheitliche Betrachtungsweise nötig ist - davon fühlt er sich angesprochen. Heute ist Hauenstein nach eigener Einschätzung der Naturgärtner, der sich am längsten in dieser Branche halten konnte. Und dies ohne gärtnerische Ausbildung.
Allerdings war es zu Beginn nicht immer einfach, verlässliche und brauchbare Informationen zu finden. Er zog unter anderem verschiedene Fachleute zu Rate und verglich ihre Argumentationen. Zudem fragte er sich stets: «Wie macht es denn die Natur?» So befasste sich Hauenstein zum Beispiel mit der Zusammensetzung der einheimischen Vegetation. Durch Recherchen in alten Klosterbüchern stiess er dabei auch auf Veränderungen: Viele Wildpflanzen zeigen heute ein stärkeres Längenwachstum als früher, verursacht durch nährstoffhaltigere Böden.

Beratungstätigkeit am Puls der Zeit
Auch wenn der Name BfNU vermuten lässt, es handle sich um eine öffentlich unterstützte Beratungsstelle, so wird sie doch rein privat finanziert. Hinter dem Firmennamen verbergen sich Werner Hauenstein und seine Frau. Ihnen ist die Beratungstätigkeit mit Hilfe von Medien ein wichtiges Anliegen. So werden täglich sämtliche Natursendungen der deutschsprachigen Kanäle aufgezeichnet und in einer eigenen Video-thek archiviert. Wir staunten nicht schlecht, als uns Werner Hauenstein in ein Dachzimmer mit einigen hundert Videokassetten führte. Die «Aufnahmeleitung» unterliegt seiner Frau.
Immer wieder führen die Natursendungen zu Fragen an die BfNU. Durch die Videoauf-Zeichnungen lässt sich die Beantwortung gezielt angehen. Zudem ist so gewährleistet, dass die Beratungsstelle Bescheid weiss, welche Naturthemen und damit verbundenen Fragen die Leute gerade beschäftigen.
Informationen, vor allem die Infobroschüren der BfNU, sind in ganz Europa gefragt. Auch im Internet ist die BfNU präsent (www.bfnu.ch). Ansonsten betreibt Werner Hauenstein keine Werbung. Seine Firma lebt von der Mundpropaganda.

Unterstützung beim Einstieg
Bei der Planung eines Naturgartens sollten laut Werner Hauenstein die Bedürfnisse der Natur an erster Stelle stehen. Nur dann kann ein langfristiges Gedeihen garantiert werden. Allgemein scheint das Naturverständnis jedoch eher kleiner geworden zu sein und damit auch die Bereitschaft, im Sinne der Natur zu handeln.

Igel, Fledermäuse oder andere Tiere bilden oft den Einstieg in die naturnahe Gartengestaltung. Die Beratungssuchenden und potenziellen Kundinnen wollen erfahren, wie sie das Vorkommen dieser Tiere in ihrem Garten fördern können. Hier setzt die Beratung von Werner Hauenstein an. Etwa die Hälfte dieser intensiven Kundengespräche führt zu einem Auftrag. Die anderen Ratsuchenden machen sich selbst an die Umsetzung, einige kommen aber später wieder auf den Fachmann zurück.

Die BfNU führt jährlich einen Tag der offenen Tür durch. Dabei kommt es zu einem Erfahrungsaustausch, und es können verschiedene Kundengärten besucht und verglichen werden. Um einen neuen Kundenkreis zu erschliessen, nimmt Werner Hauenstein an der Haus- und Gartenmesse Lenzburg teil. Ein Grossteil seiner Dienstleistungen wird in einem Umkreis von 50 km beansprucht, Aufträge wurden aber auch schon von Liechtenstein bis Lugano ausgeführt.

Vielfältige Produktpalette
Wie im GaLaBau üblich, stellt Werner Hauenstein bei starken Niederschlägen die Gartenarbeiten ein und beugt damit der Bodenverdichtung in den Gärten vor. Die Zeit nutzt er allerdings, um verschiedene nützliche, im GaLaBau eher aussergewöhnliche Produkte herzustellen: Schwalbennester, Fallen für Nacktschnecken, kreative Tischdekorationen. Seine hausgemachten Marmeladen aus Löwenzahnblüten und Schlehdorn schmecken hervorragend. Wer sich von seinen diversen Produkten selbst überzeugen will, ist bei Werner Hauenstein willkommen.

Kaninchen als «Mäher»
Wenn möglich achtet Werner Hauenstein auf die natürlichen Stoffkreisläufe. Er lässt zum Beispiel kleinere Wiesen von Kaninchen «mähen». Der anfallende Mist wird kompostiert und in der Kahlschlagvegetation verwendet. Eine ähnlich ungewöhnliche Methode wendet Hauenstein bei der Produktion seines Aussaatsubstrats an. In einem ausgedienten Aquarium tummeln sich Mehlkäfer und ihre Larven, die Brot und Bananenschalen fressen. Die feinstrukturierten Abbauprodukte liefern, gemischt mit Sand, ein gutes Substrat für die Keimung von Wildstauden. Die Samen und das Pflanzenmaterial für die Vermehrung der Stauden und Gehölze stammen ausschliesslich aus der Region, u.a. von Kundengärten. In der BfNU ist immer eine beachtliche Saatgutmenge vorrätig; diese würde für eine Fläche von zehn Fussballfeldern reichen. Die maximale Lagerdauer beträgt drei Jahre.
Im Gespräch mit seinen Kundinnen macht Werner Hauenstein deutlich, dass ein Naturgarten nicht von heute auf morgen entstehen kann. Der Auftraggeber muss Geduld üben und der Natur Zeit lassen, sich selbst zu gestalten. Hauensteins Erkenntnisse um die Vorgänge in der Natur spiegeln sich auch in seiner eigenen Lebenseinstellung wider. So nahm er sich für unseren Besuch aussergewöhnlich viel Zeit und gewährte uns mehr als nur einen Einblick in seine einmalige Gartenbau- und Beratungsfirma.