Schweizer Koordinaten

Dr. Rainer Neumeyer, Am Glattbogen 69, CH-8050 Zürich.
E-Mail: neumeyerfunk@bluewin.ch

Wer sich schon Insekten aus Schweizer Sammlungen ausgeliehen hat, wird sich, sofern nicht selbst aus der Schweiz, vielleicht gewundert haben über Fundortangaben wie "CH ZH-Zürich, Am Glattbogen, 685075/251915, 43Om". Nun, "CH" (Confederation Helvetica) und "ZH" sind offizielle Kürzel für "Schweiz" bzw. Kanton Zürich. Für die weiteren 24 Schweizer Kantone oder Halbkantone existieren ebenfalls passende Abkürzungen, die im übrigen mit denjenigen auf den entsprechenden Autokennzeichen identisch sind. Was aber bedeuten die beiden sechsstelligen Zahlen 685075/2519157. Sie bezeichnen metergenau einen Punkt in einem rechtwinkligen, planemetrischen Koordinaten System, dessen Nullpunkt in der Nähe von Bordeaux (F) gemäss Abb. 1 so gewählt wurde, dass der Punkt 600000/200000 auf die alte Sternwarte von Bern zu liegen kommt. Diese liegt also 600000m östlich und 200000m nördlich des Nullpunktes bei Bordeaux. Dafür kann man einfachheitshalber auch schreiben 600/200, was dann bedeutet 600 km Ost und 200 km Nord. Namentlich bei Ornithologen sind sogar 4stellige Angaben wie "6275/2204" üblich, was gelesen werden muss wie .627,5km Ost' und "220,4km Nord'. Was aber, wenn jemand schreibt 200/ 600?
Abb. 1 Rechtwinkliges Gitternetz des schweizerischen Koordinatensystems, dargestellt nach Bär (1973: 219). Der Nullpunkt liegt in der Nähe von Bordeaux (F), der Punkt 600000/200000 lokalisiert die alte Sternwarte von Bern (CH).

Ein solcher Punkt liegt nämlich nicht in der Schweiz, für die das hier vorgestellte Koordinatensystem seinerzeit ja geschaffen wurde. Also muss 600/200 und somit Bern gemeint sein. Die besondere Lage des Koordinaten Nullpunktes (rund dreimal weiter westlich als südlich von der Schweiz entfernt) vermeidet demnach unliebsame Verwechslungen zwischen östlicher Länge und nördlicher Breite. Soviel zu den Eigenheiten des schweizerischen Koordinatensystems. Weil es planemetrisch ist, bietet es für den lokalen Gebrauch in einem kleinen Land durchaus Vorteile. Im internationalen Rahmen kann es aber nur das allgemein bekannte sphärische System geben, nach welchem die alte Sternwarte von Bern die Koordinaten 7 Grad 26 min 19 sec östliche Länge und 46Grad 57min 4sec nördliche Breite (7°26'19" ÖL/46°57'4" NB), die 430m hoch gelegene Flur "Am Glattbogen" in Zürich aber die Koordinaten 8°33'57" ÖL/47°24'45" NB erhält. Es bleibt mir noch, die häufig gestellte Frage zu beantworten, wie die planemetrischen schweizerischen Koordinaten korrekt umgerechnet werden können auf die weltweit gängigen sphärischen. Um eines vorweg zu nehmen: die rechnerischen Anforderungen sind infolge der Übertragung von der Ebene auf die Kugeloberfläche beträchtlich und mir im Detail auch nicht bekannt. Aber keine Angst, das Schweizerische Bundesamt für Landestopographie bietet dazu unter der Adresse

www.swisstopo.ch/de/geo/navref.htm

eine interaktive Internetseite an, welche die Umrechnung für uns erledigt. Das lästige Problem mit den schweizerischen Koordinaten wäre somit von nun an gelöst.

Literatur:
Bär, 0. (1973): 
Geographie der Schweiz. - Lehrmittelverlag des Kantons Zürich. 243 S.